Die Sumpfohreule, feurige Schönheit unserer Moore
Niedersachsens Moore gelten als Hauptverbreitungsgebiet Mitteleuropas – Zukunft jedoch langfristig nur durch Renaturierungen möglich
Niedersachsens Moore gelten als Hauptverbreitungsgebiet Mitteleuropas – Zukunft jedoch langfristig nur durch Renaturierungen möglich
Sie zählt zu den hochspezialisierten Charaktervögeln der weitläufigen offenen Moorlandschaften, liebt die dort vorherrschende niedrige und zugleich deckungsreiche Vegetation. Mit dem Schwund unserer Moore wurde sie ins Abseits gedrängt. Die Eule zeigt in den letzten Jahrzehnten hierzulande einen derartigen Rückgang, dass sie in der Liste der gefährdeten Vogelarten als „Vom Aussterben bedroht“ aufgeführt wird. In den meisten Bundesländern ist sie bereits völlig verschwunden. Knappe 100 Brutpaare vermuten Ornithologen in den noch verbliebenen norddeutschen Mooren, genaue Bestandszahlen der nur wenig sesshaften, vagabundierenden Greifvögel fehlen jedoch. Ganz sporadisch findet sich die anmutige Eule aber noch im Emsland. In den Niederlanden, und hier besonders im Wattengebiet und auf Ameland werden 60 und 140 Brutpaare beschrieben. Die Ost- und Westfriesischen Inseln beherbergen die größten Bestände Mitteleuropas. Die meisten Paare finden sich weltweit aber wohl in den Weiten der skandinavischen und russischen Tundren.
Die schwefelgelben, von schwarzen Federn umrahmten Augen, eingebettet in einen hellen Federschleier, verleihen der Eule ihr unverwechselbares Aussehen. Der südschwedische Arzt und Gelehrte Carl von Linné gab ihr im 18. Jahrhundert den wissenschaftlichen Namen Asio flammeus, dies möglicherweise in Anspielung auf ihren magisch feurigen Blick. Die übrigen Farben des Gefieders werden schon in kurzer Entfernung eins mit der Umgebung, verschwimmen mit den Schattierungen des Sumpfes. Die Brustfedern sind hell wie vertrocknetes Schilf, die Rückpartie erscheint wie der dunkel gesprenkelte Moorboden. Dabei zeigen die Farbtöne eine nicht unerhebliche individuelle Varianz. So lassen sich neben sehr hellen auch dunkle Varianten beobachten.
Ihre namensgebenden kleinen Federohren sucht der Beobachter meist vergebens, werden sie doch nur bei Erregung aufgestellt und dienen darüber hinaus allem Anschein nach der Kommunikation. Die Engländer nennen die Sumpfohreule daher treffend Short-eared Owl, was so viel heißt wie: „Die Eule mit den kleinen Ohren“. Nicht das hier von den tatsächlichen Ohren die Rede wäre, nein, wir sprechen von aufstellbaren Federn über der Stirn. Das hochspezialisierte Hörorgan der Eule verbirgt sich hinter ihrem Gesichtsschleier, unsichtbar unter schallverstärkenden filigranen Federn.
Sumpfohreulen erreichen die Größe einer Krähe und bringen etwa 400 g auf die Waage, ihre Flügelspannweite kann bis zu einem stolzen Meter messen. Aus der Entfernung ist sie so schon mal mit einem hellen Mäusebussard zu verwechseln, sie sitzt allerdings deutlich steiler.
Unverwechselbar ist das den Weihen ähnliche schaukelnde Flugbild. Nur in der Luft präsentiert die Eule ihre auffallend hellen Flügelunterseiten.
Ähnlich ihrer nahen Verwandten mit den orangen Augen, der Waldohreule, zeigt die Sumpfohreule ein in der Eulenwelt einmaliges, äußerst komplexes Balzritual.
Das Fortpflanzungsverhalten der saisonal monogam lebenden Vögel beginnt schon im Winterquartier. Richtig los geht es dann, wenn im zeitigen Frühjahr ein Brutrevier gefunden ist, was streng eingehalten und beherzt gegen eindringendende Artgenossen verteidigt wird.
Die hellen Flügelunterseiten zu präsentieren, ein wichtiger Teil dieses Paar- und Revierverhaltens. Der Vogel schraubt sich mit betont langsam, ausholenden Flügelschlägen in schwindelnde Höhen, um dann mit weithin hörbarem rhythmischen Flügelklatschen wie ein Stein zu Boden zu fallen, und das bis in die warmen Mittagsstunden hinein. Die langen Schwingen werden dabei übrigens unter dem Bauch zusammengeschlagen. Flugsynchrone Buhrufe komplettieren das eindrucksvolle Zeremoniell. Das Flugspiel vollführt der Greif die ganze Saison hindurch.
Die Nahrung besteht in erster Linie, d.h. in über 90%, aus Mäusen. In Mitteleuropa ist die Feldmaus das wichtigste Beutetier. Ist der Nachwuchs zu versorgen oder sind die Kleinsäuger rar, überfliegt sie auch tagsüber ihr Revier. Oft sieht man sie dann über ihrer Beute rütteln, ein jäher Sturzflug bedeutet für die Maus ein schnelles Ende. In der Regel ist die Sumpfohreule jedoch ein Ansitzjäger, in der Lage, die Nager im tiefen Gras allein mit den Ohren zu orten. Die Beute wird portionsweise verschlungen.
Als Vogel der Moore, Sümpfe und Tundren brütet der Greif auf der Erde. Sie ist übrigens die einzige Eule, die Ansätze eines Nestbautriebes zeigt. Dieser ist von Exemplar zu Exemplar allerdings verschieden ausgeprägt, meist werden nur ein paar Halme zurechtgelegt.
Das Gelege ist groß, je nach Nahrungsangebot besteht es aus 7 bis 10 Eiern, die Brutdauer kurz, nur 26 Tage lang. Der Gefährdungsgrad als Bodenbrüter macht dies notwendig, dass Brutgeschehen muss eben möglichst schnell über die Bühne gehen. Es verwundert jetzt nicht mehr, dass die Jungvögel schon sehr früh das Nest verlassen, nämlich meist bereits nach 2 Wochen, auch dies wieder einzigartig in der wundersamen Welt der Eulen. Bereits nach kurzen vier Wochen erobern die kleinen Krummschnäbel selbständig die Lüfte und schießen im Alter von 7 Wochen hinab, um eigene Beute zu machen.
Die Eulen können in freier Wildbahn ein stolzes Alter von über zwanzig Jahren erreichen. Die Sterblichkeit im ersten Lebensjahr ist sehr hoch und wird in der Literatur mit über 60% angegeben. Der Nachwuchs zeigt eine große Wanderungstendenz, so wurden beringte Vögel über 2000 km von ihrer Kinderstube entfernt beobachtet.
Das Hauptverbreitungsgebiet liegt ja in den nordöstlichen Regionen der Nordhalbkugel. Die langanhaltenden Winter der Tundren lassen die Vögel in der kalten Jahreszeit bis in unsere Region ziehen. Es kommt vor, dass man dann Ansammlungen von bis zu 100 Exemplaren beobachten kann, dies besonders häufig auf den Inseln und an der Küste.
Die Zukunft der Sumpfohreule ist langfristig nur durch den Erhalt und die Renaturierung von geeigneten Brutbiotopen zu sichern. Die Zeichen stehen sicher schlecht in einer Zeit des immer größer werdenden Landhungers, so darf sich wohl auch in der Zukunft jeder glücklich schätzen, wenn er diesen einzigartigen Vogel hört oder sogar zu Gesicht bekommt.
Moor & mehr – Geschichten aus den Naturparken
Naturparke in der Ferienregion feiern Jubiläum
In Kooperation mit dem Emsland-Kurier feiern wir in diesem Jahr die Jubiläen “20 Jahre Naturpark Bourtanger Moor” und “10 Jahre Naturpark Hümmling” mit Geschichten über die eindrucksvolle Kulturlandschaft, prägnante und ungewöhnliche Sehenswürdigkeiten und ehrenamtliches Engagement mit viel Heimatgefühl.
Die Beiträge werden im Emsland-Kurier veröffentlicht und sind im Emsland-Blog "Moor & mehr“ auf unserer "Geburtstagsseite"zum Themenjahr nachzulesen.













