Erste Briefmacken aus Adorf…

Im kleinen Moordorf begann der Erfolgsautor Winfried Bornemann mit Jux-Briefen

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  • 02.08.2026

Im kleinen Moordorf begann der Erfolgsautor Winfried Bornemann mit Jux-Briefen

Ende August feiert Adorf (heute ein Ortsteil der Gemeinde Twist) sein 250-jähriges Bestehen. Würde man aus Anlass des Jubiläums nach dem bekanntesten Adorfer aller Zeiten fragen, dürfte allgemeines Kopfschütteln die Antwort sein. Unbekannt ist am Ort die Tatsache, dass hier die Erfolgsstory des in den 1980/90er Jahren in ganz Deutschland bekannt gewordenen „Briefmackers“ Winfried Bornemann ihren Anfang nahm.

Als frisch bestallter Lehrer wohnte Bornemann von 1970 bis 1977 in der alten Schule von Adorf. Er unterrichtete im benachbarten Twist. Der Alltag in der abgelegenen Moorgegend erschien ihm langweilig. So kam der pfiffige Pädagoge auf die Idee, sich durch besondere Korrespondenzen seine Freizeit bunter zu gestalten. Er schrieb Briefe an Unternehmen und Behörden mit gar nicht blöde wirkenden Fragen und Vorschlägen und wartete gespannt auf Antwort.

An die Deutsche Bundesbank schickte er zum Beispiel eine kupferne Pfennigmünze. Das Stück komme ihm irgendwie falsch vor, schrieb er. Ob es sich um eine Münzfälschung handele?  Die Antwort der Staatsbank erfolgte angemessen: Man habe den fraglichen Pfennig im Labor untersucht. Es sei keine Fälschung! „Anbei das eingesandte Belegstück verschweißt zurück“, hieß es abschließend im Amtsschreiben. – An die Zuckerfabrik Pfeifer & Langen in Köln sandte Bornemann ein Stück Würfelzucker. Dieses zeigte die von ihm aufgemalten typischen Punkte eines Würfels. Da habe sich wohl einer der Mitarbeiter einen Scherz erlaubt, schrieb der von der Wochenzeitung „ZEIT“ als „Till Eulenspiegel der Literatur“ bezeichnete Absender. Die Zuckerfabrik reagierte betroffen und bat vielmals um Entschuldigung. Als Wiedergutmachung kam ein großes Paket mit süßen Produkten in die Adorfer Schule. 

Dort lösten die Reaktionen auf die Jux-Briefe schallendes Gelächter bei Bornemann und seinen Bekannten aus. Der Postbote des Dorfes, das 1974 Teil der Gemeinde Twist wurde, wunderte sich: Mit welchen bekannten Firmen und Politikgrößen der Herr Lehrer da andauernd korrespondierte! – 1977 wurde Winfried Bornemann versetzt. Er lebte nun in Georgsmarienhütte am Fillerschloss. Hier erklärte der Briefmacker sich für adelig und setzte seine schreibende Tätigkeit als Witwe „Carola v. Gaestern“ mit attraktiven Erbschaftsversprechen für Prominente fort. Ein Angebot von 17 Millionen Mark an Harald Juhnke schaffte es 1984 auf die Titelseite der BILD-Zeitung! 

1980 erschien Bornemanns erstes Buch mit Jux-Briefen. Es verkaufte sich mit über 30.000 Exemplaren. Nach diesem Erfolg kamen im Lauf der Jahre weitere Bücher hinzu. Nach eigenen Angaben hielten sich davon fünf insgesamt 73 Wochen in bundesweiten Bestsellerlisten. 
1988 erhielt der Briefmacker die eigene RTL-TV-Show „Bornemanns Nähkästchen“. Sie wurde 40mal ausgestrahlt.

Im Jahr 2005 besuchte der Schriftsteller seinen ehemaligen Wohnort Adorf, wo alles begonnen hatte. Es zeichnete sich schon damals ab, dass die „Masche“ bei Prominenten, Behörden und Unternehmen nicht mehr so recht ankommen wollte. Winfried Bornemann präsentiert sich noch heute mit einer Homepage im Internet. Seine Adorfer Zeit wird dort allerdings nicht erwähnt. 


Naturparke in der Ferienregion feiern Jubiläum 

In Kooperation mit dem Emsland-Kurier feiern wir in diesem Jahr die Jubiläen “20 Jahre Naturpark Bourtanger Moor” und “10 Jahre Naturpark Hümmling” mit Geschichten über die eindrucksvolle Kulturlandschaft, prägnante und ungewöhnliche Sehenswürdigkeiten und ehrenamtliches Engagement mit viel Heimatgefühl.
 
Die Beiträge werden im Emsland-Kurier veröffentlicht und sind im Emsland-Blog "Moor & mehr“ auf unserer "Geburtstagsseite"zum Themenjahr nachzulesen.  

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Horst Heinrich Bechtluft
02. August 2026