Heimatkunde in Fehn-Idylle mit Kanalgeflüster

Ein Ausflug zur Von-Velen-Anlage wird zur Reise in Papenburgs Vergangenheit

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  • 09.08.2026

Ein Ausflug zur Von-Velen-Anlage wird zur Reise in Papenburgs Vergangenheit

Kaum zu glauben, wie sehr sich Papenburg im Laufe der Jahrhunderte verändert hat. Genau das erleben wir bei unserem Besuch der Von-Velen-Anlage, dem nach Stadtgründer Dietrich von Velen benannten Freilichtmuseum. Schon nach wenigen Schritten wird deutlich: Hier geht es nicht nur um historische Gebäude, sondern um die Menschen, die diese Landschaft geprägt haben. 

Wir betreten die Von-Velen-Anlage in Papenburg-Obenende und tauchen unmittelbar in eine andere Zeit ein. Zwischen Moorkaten, Torfgräberhaus und Muttschifferhaus wird die Geschichte der Stadt lebendig. Unter dem Motto „Vom Torfstecher zum Hochseekapitän“ erzählt das Freilichtmuseum eindrucksvoll vom entbehrungsreichen Leben der ersten Siedler und vom Aufstieg Papenburgs zur bedeutenden Schifffahrtsstadt.

Wir erfahren von Maria Kleinhaus, unter welch harten Bedingungen die ersten Kolonisten im Jahr 1631 begannen, das Moor trocken zu legen. Mit einfachsten Mitteln stachen sie Torf und gruben Kanäle, die schließlich ein beeindruckendes Netz von insgesamt 43 Kilometern bildeten. 

Maria Kleinhaus ist die stellvertretende Vorsitzende des Vereins Papenbörger Hus, dem Trägerverein des Freilichtmuseums mit derzeit rund 70 Mitgliedern, und eine von zehn Gästeführern. Sie begleitet uns auf der Runde über das Areal am Splitting, das anhand verschiedenartiger Häusertypen die geschichtliche Entwicklung der Besiedelung Papenburgs darstellt. Die originalgetreu eingerichteten Häuser und Werkstätten vermitteln, wie entbehrungsreich das Leben in den Anfangsjahren gewesen sein muss. 

Wir erfahren, dass die teilweise noch bewohnten Häuser allesamt in Papenburg abgetragen und an ihrem jetzigen Standort wieder aufgebaut wurden. Anhand der Fensteranzahl ist zu erkennen, wie wohlhabend die Familie war: In einem Haus mit zwei Fenstern lebte ein Torfstecher; drei Fenster deuteten auf den Besitz eines Muttschiffers hin.

Und nicht nur das. Für den Hausbau wurden Ziegelsteine benötigt. So treidelten die Siedler 15.000 Stücke Torf nach Ostfriesland und erhielten im Gegenzug dafür nur 23 Ziegelsteine! Das Mengenverhältnis und den zu betreibenden Aufwand für den Hausbau veranschaulicht das im Splittingkanal liegende Muttschiff: Es hat 15.000 Torfstücke geladen. 

Ein besonderes Ziel unseres Rundgangs ist das Papenbörger Hus. Mit dem alten Ackerbürger- und Kapitänshaus fing im Januar 1980 für den neu gegründeten Verein alles an. Die Stadt Papenburg kaufte der Besitzerin Adelheid (Leidi) Dreyer das Gebäude ihrer Vorfahren aus dem Jahre 1820 ab.

Das Haus vermittelt heutzutage einen Eindruck vom Leben wohlhabender Schifferfamilien. Gleichzeitig lädt es zu einer genussvollen Pause ein: Bei einer Tasse ostfriesischem Tee und einem Stück frischgebackenem „Torfkuchen“ oder einem Buchweizenpfannkuchen “Bauckweiten-Janhinnerk” genießen Gäste die urige Atmosphäre. 

Der „Torfkuchen“ besteht übrigens aus Äpfeln, Karotten und Nüssen und wird mit „Wollgras“ (Schlagsahne) und Preiselbeeren serviert. Ein Team von zehn „Küchenfrauen“ kümmert sich während der Museumssaison der Von-Velen-Anlage von April bis Oktober um das leibliche Wohl. Und beim Backen der Buchweizenpfannkuchen wird aus gutem Grund auf die „richtige“ Anzahl von Speckstreifen geachtet. Wieso ist das wichtig? Die Frage wird beim Besuch im Papenbörger Hus beantwortet!

Im angrenzenden Von-Velen-Garten wechseln sich Natur und Kunst harmonisch ab. Zwischen Bäumen, Sträuchern und Blumenbeeten, die von den „Gartenfrauen“ (acht engagierten Vereinsmitgliedern, die sich regelmäßig mittwochs treffen) gepflegt werden, und modernen Skulpturen entsteht ein reizvoller Kontrast zur Museumsanlage, der zum Verweilen einlädt.

Am Eingang des Skulpturengartens, der im Jahr 2014 parallel zur Landesgartenschau in Papenburg vom Verein angelegt wurde, kündigt ein kleines Schild an, was uns erwartet: „You are now entering a stress free zone.“ Die Ruhe des bunt blühenden Gartens bildet einen angenehmen Übergang zum letzten Programmpunkt unseres Besuchs.

Den krönenden Abschluss erleben wir an Bord der „Michaela“. Lautlos gleitet das von einem Elektromotor angetriebene Boot über den in den 80er Jahren gegrabenen Von-Velen-Kanal. Unser Bootsführer Timo Schepers, 1. Vorsitzender des Papenbörger Hus e.V. und einer von neun Skippern, weist uns auf die Besonderheiten links und rechts am Ufer hin. Und er warnt uns rechtzeitig, um uns vor der Unterquerung von zwei kleinen Brücken zu ducken.

Unter schattenspendenden Bäumen hindurch führt die entspannte Bootsfahrt Richtung HÖB-See. Abgesehen von Vogelgezwitscher ist es still. Nicht einmal der Elektromotor der in der Meyer Werft gebauten „Michaela“ ist zu hören.

Uns wird klar, wie eng Wasser und Geschichte in Papenburg miteinander verbunden sind. Als wir schließlich über den idyllischen See gleiten, wird deutlich, warum diese einstündige Bootsfahrt zu den Höhepunkten eines Besuchs der Von-Velen-Anlage zählt.

Gäste können den Rundgang auch digital erleben. Mit dem Smartphone lassen sich an verschiedenen Stationen QR-Codes einscannen: diese ermöglichen noch tiefere Einblicke in das Leben der früheren Siedler.
 
Als wir die Anlage verlassen, nehmen wir weit mehr mit als historische Fakten. Wir haben erlebt, wie aus einer kargen Moorlandschaft eine Stadt entstand, deren Geschichte bis heute vom Wasser, vom Schiffbau und vom Mut ihrer Bewohner erzählt. 

Infos zum Museumsbesuch
 
Von-Velen-Anlage
Splitting rechts 56, 26871 Papenburg
Tel. 04961 73742 

Öffnungszeiten:
Von-Velen-Anlage: Di - So 10 - 17 Uhr
Papenbörger Hus: Mi, Sa & So 12 - 17 Uhr

Eintrittspreise:
Erwachsene: 4 € (ohne Führung)
Kinder (6 - 14 Jahre): 2 € / unter 6 Jahren: frei
Führung: gegen Aufpreis für Gruppen ab mind. 6 Pers.
Bootsfahrt: mind. 5 Personen oder 30 €, jede weitere Pers. 6 €
Buchweizen-Pfannkuchen (Gruppen mit mind. 10 Pers.): 14 € p. P.

Moor & mehr – Geschichten aus den Naturparken


Naturparke in der Ferienregion feiern Jubiläum 

In Kooperation mit dem Emsland-Kurier feiern wir in diesem Jahr die Jubiläen “20 Jahre Naturpark Bourtanger Moor” und “10 Jahre Naturpark Hümmling” mit Geschichten über die eindrucksvolle Kulturlandschaft, prägnante und ungewöhnliche Sehenswürdigkeiten und ehrenamtliches Engagement mit viel Heimatgefühl.
 
Die Beiträge werden im Emsland-Kurier veröffentlicht und sind im Emsland-Blog "Moor & mehr“ auf unserer "Geburtstagsseite"zum Themenjahr nachzulesen.

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© © Schoening Fotodesign, Stefan Schöning Fotodesign
Martina Alfers
09. August 2026
Mein Tipp


Erfahren Sie „Moor & mehr“ im Emsland!


In dem Podcast „emsland.entspannt“ stellt Ludger Stukenborg, ehemaliger Vorsitzender des Vereins Papenbörger Hus, bei dem Rundgang mit Martina Alfers über das Areal der Von-Velen-Anlage die Geschichte von Deutschlands längster Fehnkolonie vor. Da dürfen natürlich ein paar Papenburger Dönkes nicht fehlen.

Alle Folgen: www.emsland.com/podcast