Kleiner Ort, große Gemeinschaft
Wie ein neuer Verein das Dorfleben in Schöninghsdorf beflügelt
Wie ein neuer Verein das Dorfleben in Schöninghsdorf beflügelt
Aus dem Arbeitskreis anlässlich des Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“ hat sich für die Planung zum 150-jährigen Bestehen der Bürgerverein Schöninghsdorf gegründet. Offiziell bereits am 7. Oktober 2025, denn da erfolgte der Beschluss zur Gründung.
Aktuell sind 23 gemeldet Mitglieder im Bürgerverein, von denen sogar 13 Mitglieder den Vorstand bilden. „Alle, die den Verein mitgründeten, wollen auch als Beisitzer in den Vorstand“, erklärt Silvia Albers schmunzelnd die ungewöhnliche Größe des Vorstands. Es sind zwar viele Leute da, doch für die Vorbereitung des Jubiläums werden auch viele helfende Hände benötigt.
Los geht es am 21. August mit einem Kommersabend, an dem neben Vertretern aller ortsansässigen Vereine auch Landrat Marc-André Burgdorf, Gitta Connemann als Mitglied des deutschen Bundestages, Petra Lübbers als Bürgermeisterin der Gemeinde Twist, sowie der Urgroßenkel des Dorfgründers teilnehmen.
Am 22. August starten die Feierlichkeiten mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Kirche und im Anschluss gibt es Kaffee und Kuchen für Alt und Jung im Franziskushaus. Für die Unterhaltung der Kinder sorgt Christian Hüser, während im Zelt verschiedene Aufführungen geplant sind.
Alle Vereine des Ortes sind unter dem Motto „Ein lebendiges Bild unseres Dorfes – getragen von uns allen“ eingeladen, ein Türblatt zu gestalten und die Geschichte und Aktivitäten des Vereins auf diesem Türblatt zu präsentieren.
Die Türblätter werden im Festzelt neben der Bühne aufgestellt, sodass alle Gäste stöbern und in Erinnerungen schwelgen können.
Abends spielt Silvermoon zur Party auf und das ganze Dorf ist eingeladen, kräftig das Tanzbein zu schwingen.
Am 23. August folgt der historische Umzug, bei dem auf zahlreichen Wagen verschiedene Themen wie die Kneipe, Zollgeschichte oder der Kartoffel- und Getreideanbau dargestellt werden. Anschließend ist auf dem Dorfplatz der Abschluss mit einer Tombola. „Mal schauen, wie lange die Schöninghsdorfer dann noch durchhalten“, sagt Silvia Albers mit einem Augenzwinkern.
Die vollständige Planung zu diesen Feierlichkeiten übernimmt der Bürgerverein Schöninghsdorf. Dabei wurden für die Bereiche Kinder und Jugendliche, Kommersabend, Kalender, Tombola, Finanzielles und Sponsorenkonzept sowie die Geschichte des Ortes Untergruppen gebildet. Im 3-Wochen-Rhythmus treffen sich die Mitglieder und besprechen, was bisher gelaufen ist und was noch ansteht. Es ist zwar viel zu tun und zu organisieren, aber dennoch sind alle mit Feuereifer dabei.
„Die Aufgaben des Bürgervereins umfassen aktuell natürlich alles rund um die 150-Jahrfeier“, erklärt Werner Niemeier. In der Satzung ist zum Zweck des Bürgervereins ausgeführt, dass die Heimatpflege und Heimatkunde, Kunst und Kultur sowie die Gestaltung des Dorflebens durch vielfältige Aktivitäten und Veranstaltungen gefördert wird. „Aber erst einmal wollen wir das Fest durchziehen und dann werden ganz sicher kulturelle Veranstaltungen geplant“, sagt Werner Niemeyer weiter. Der 71-jährige ist in Schöninghsdorf aufgewachsen. Während seiner Studien- oder Ausbildungszeit zog es ihn nach Münster und Bielefeld, doch seit den letzten 13 Jahren seines beruflichen Daseins als Schulleiter zog es ihn wieder zurück.
Damals als er in Schöninghsdorf aufwuchs, gab es zwei Jugendgruppen, die beide kirchlich geprägt waren. Zum einen die Landjugend und zum anderen die KJG, die Katholische Junge Gemeinde, in der er Mitglied war. Auch über den Sport definierte sich die Jugend damals sehr stark. Seine Kindheit und Jugend prägten ihn hier sehr. „Ich habe mich einfach gefreut wieder emsländische Luft zu atmen“, berichtet er. Zunächst lebte er in Meppen, doch als die Kinder kamen, zog er mit seiner Familie wieder nach Schöninghsdorf. „Man fühlt sich einfach mit Kindern sicherer hier und kann sich in den Ort richtig einbringen“, sagt Werner Niemeyer.
Die 43-jährige Silvia Albers ist hingegen keine gebürtige Schöninghsdorferin, sondern mit ihrem damaligen Verlobten vor 15 Jahren zugezogen. „Mein Mann und ich kommen beide aus Hasselbrock und sind nach Schöninghsdorf gezogen, weil einer in Haren und einer in Lingen arbeitet“, berichtet sie. Außerdem sollte das neue Zuhause unbedingt ein Resthof sein, den sie schließlich in Schöninghsdorf fanden. Allerdings ist Silvia Albers als erstes nur die kaputte Straße aufgefallen. „Ich wohne an der ehemals schlimmsten Straße, nämlich der Moorstraße“, lacht sie. Die Leute weigerten sich sogar dadurch zu fahren, doch ihr war die Straße von Anfang an sehr sympathisch. Wenn sich hinten ein Auto zeigte, hatte sie mit ihrem Hund noch genügend Zeit, nach Hause zu gehen. Leute kannten sie in Schöninghsdorf zu Beginn noch nicht, aber durch ihre drei Kinder hat sich das schnell geändert. „Man kommt unglaublich schnell hier ins Gespräch mit anderen Eltern“, berichtet Silvia Albers. So wurde sie auch in verschiedenen Vereinen tätig und hilft mit, wo sie kann. Als Mitglied des Kirchenvorstands war sie bereits bei dem Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ involviert, weil alle Vereine sich zusammensetzten, um gemeinsam die Teilnahme auf den Weg zu bringen. So war es für Silvia Albers auch klar, Mitglied im Bürgerverein zu werden und sich im Vorstand zu engagieren.
Auch für Holger Fischer war das Mitwirken im Bürgerverein und die Tätigkeit im Vorstand Ehrensache. Der 45-jährige ist wie Werner Niemeyer auch in Schöninghsdorf aufgewachsen und zum Studieren ein paar Jahre weggewesen. Während er in Rühle in einem Planungsbüro arbeitet, wohnt er jedoch wieder in Schöninghsdorf.
„Auch wenn man aufgrund des Studiums herausgerissen wird, findet man sich schnell wieder zusammen“, sagt Holger Fischer. So trifft sich die damalige Jugend auch heute wieder, wenn sie älter ist und selbst bereits Kinder hat. „Es ist eben ein schönes Gefühl von Zusammenhalt“, erklärt er. Im Jahr 2021 ließ er sich als Gemeinderatsmitglied aufstellen und wurde in den Rat gewählt. Dadurch hatte er selbst auch den Bezug zu dem Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“. Auch er wirkte dort aktiv mit und es war schnell klar, dass sich losgelöst von jeder Ratstätigkeit auch in dieser Runde mit den kulturellen Aspekten befasst werden sollte.
So stellt in seinen Augen der Bürgerverein auch das Bindeglied zwischen der Gemeinde Twist, dem Rat und letztendlich auch den Bürgern dar. „Vielleicht können wir mit diesem Verein auch noch etwas mehr bewegen und auch näher am Bürger sein“, ergänzt Holger Fischer.
Mehr Möglichkeiten für die Jugend wünschen sich insbesondere Marie Keiser und Ella Grommel. Die 13-jährige Ella Grommel ist bereits seit ihrem 6. Lebensjahr als Tanzmariechen im ortsansässigen Verein tätig. Volleyball spielt sie auch, allerdings in einem Verein in Twist. Die Gemeinschaft in Schöninghsdorf bedeutet ihr sehr viel. „Jeder kennt hier jeden und so braucht man keine Angst vor Fremden zu haben“, erzählt die Schülerin des Gymnasium Marianum Meppen.
Vor etwa zwei Generationen ist ihre Familie, die ursprünglich aus Baden-Württemberg stammt, nach Schöninghsdorf gezogen. Jeden Tag ist sie mit ihrer Nachbarin unterwegs, durch die sie auch zu den Tanzmariechen gekommen ist.
Auch die 17-jährige Marie Keiser geht gerne raus mit ihren Freunden. Die Schülerin der BBS Meppen, an dem sie das berufliche Gymnasium in der 11. Klasse absolviert, spielt Handball auf dem Twist. Hier in Schöninghsdorf hat die Jugend einen Raum im Keller des Franziskushaus, der als Treffpunkt für die Jugendlichen dient. Jugendtanz und andere Feiern für die Jugendlichen gibt es hier jedoch nicht. Auch eine Landjugend wie früher fehlt.
„Es wäre wirklich schön, wenn es mehr Möglichkeiten für die Jugendlichen geben würde“, sagt Marie Keiser. Dennoch schwärmt sie auch sehr von der Gemeinschaft und der Tatsache, dass jeder im Ort jeden kennt. „Es muss einem nichts hier unangenehm sein“, ergänzt sie.
Schöninghsdorf hat als Ortsteil der Gemeinde Twist mehr als 1400 Einwohner. Doch die Einwohnerzahl stagniert seit 80 Jahren. „Nach dem 2. Weltkrieg haben wir uns einwohnermäßig nicht mehr verbessert“, gibt Werner Niemeyer zu bedenken.
Baulich ist der Ort allerdings explodiert. So möchte auch Tom Kathmann wieder Schöninghsdorfer werden. Der 26-jährige ist ebenfalls in Schöninghsdorf aufgewachsen, wohnt aktuell jedoch in Rühlerfeld. „Ich bin in vielen Vereinen tätig und deshalb auch hier mittendrin“, sagt er. Neben dem Karnevalsverein und dem Schützenverein gehört er auch dem Bürgerverein an.
Der 63-jährige Eberhard Fischer sieht das ähnlich. Er ist zwar nicht in Schöninghsdorf groß geworden, hat jedoch hier die Schule besucht und seine Ausbildung zum Tischler absolviert. Als Kassenwart des Bürgervereins kümmert er sich um die Sponsorenanfragen. Aufgrund seiner Tätigkeit kommt er mit den Menschen ganz anders in Kontakt, was er auch sehr zu schätzen weiß. „Ich komme ja von Wesuwe Moor und so ist das Moor für mich nichts Neues mehr“, sagt er.
Anders ist das bei Silvia Albers. Im Rahmen der Recherche und Planung kam bei ihr die Frage auf, warum Hebelermeer und Adorf so viel älter als Schöninghsdorf sind. Schließlich sind Adorf und Hebelermeer beide etwa 250 Jahre alt, während Schöninghsdorf gerade einmal 150 Jahr alt ist.
Der Grund dafür liegt im Torfabbau und dass es so schwierig war, die Gegend hier zu kultivieren. Auf diese besondere Geschichte und die näheren Gründe wird ausführlich im Rahmen eines Vortragsabends am 5. Juni eingegangen.
Bei dieser Auftaktveranstaltung zum Jubiläum wird der Geburtstagskalender vorgestellt, der einen geschichtlichen Streifzug durch die Jahrzehnte präsentiert.
So ist Holger Fischer und den anderen Mitgliedern des Bürgervereins wichtig, dass die Kultur des Ortes weiter aufgearbeitet wird. „Es gibt zwar einen guten Grundstock an kultureller Erarbeitung, aber es ist unser Anliegen, die Kultur weiter aufzuarbeiten und zu bewahren“, berichtet er.
Für den besonderen Kalender sichteten die Mitglieder eine Unmenge an Fotos. „Ich fand es sehr interessant, auch einige Orte mal wieder neu zu entdecken“, gesteht Tom Kathmann.
Somit gibt es auch für die zahlreichen Gäste sowohl am 5. Juni als auch vom 21. August bis 23. August in Schöninghsdorf anlässlich des 150-jährigen Bestehens viel zu entdecken und zu bestaunen.
Moor & mehr – Geschichten aus den Naturparken
Naturparke in der Ferienregion feiern Jubiläum
In Kooperation mit dem Emsland-Kurier feiern wir in diesem Jahr die Jubiläen “20 Jahre Naturpark Bourtanger Moor” und “10 Jahre Naturpark Hümmling” mit Geschichten über die eindrucksvolle Kulturlandschaft, prägnante und ungewöhnliche Sehenswürdigkeiten und ehrenamtliches Engagement mit viel Heimatgefühl.
Die Beiträge werden im Emsland-Kurier veröffentlicht und sind im Emsland-Blog "Moor & mehr“ auf unserer "Geburtstagsseite"zum Themenjahr nachzulesen.







