Mehr als nur Gartenarbeit

Die „Kruutluker“ halten Tradition und Gemeinschaft lebendig

  • Wissenswertes
  • 26.07.2026

Die „Kruutluker“ halten Tradition und Gemeinschaft lebendig

Zwanzig Ehrenamtliche im Alter zwischen 65 und 84 Jahren treffen sich jeden zweiten Mittwoch zum Arbeitseinsatz in der Landeggerstraße. Regelmäßig steht dann die Pflege des Bauern- und Kräutergartens auf dem Programm. Doch schon nach wenigen Minuten wird klar: Die Kruutluker leisten weit mehr als das klassische „Kruutluken“.

„Kruutluker“ bedeutet auf Plattdeutsch „Kräuterpflücker“. Im Mühlenmuseum Haren kümmern sich die Ehrenamtlichen um den historischen Bauern- und Kräutergarten und bewahren damit ein Stück ländliches Brauchtum. Das Motto „Säen, ernten, mahlen, backen“ zieht sich durch das gesamte Gelände. Gleichzeitig entstehen hier zahlreiche Projekte, die weit über die Gartenarbeit hinausgehen.

Als ich ankomme, sind zehn Männer bereits fleißig bei der Arbeit. Urlaubszeit – deshalb sind heute „nur“ zehn Helfer vor Ort. „Normalerweise sind wir deutlich mehr“, erzählt Heinz Menke, Vorstandsmitglied des Heimatvereins und verantwortlich für das Mühlengelände mit dem Müllerhaus. Seit 1990 engagiert er sich im Heimatverein und führt mich über das weitläufige Gelände der Mersmühle in Haren.

„Mit acht Helfern haben wir vor zehn Jahren angefangen“, blickt er zurück. „Im Herbst feiern wir unser zehnjähriges Jubiläum.“ Gefeiert wird im kleinen Kreis, denn die Kalender der engagierten Rentner sind gut gefüllt. Chor, Vereinsvorstände, Imkerei oder Kunst – fast jeder bringt neben seinem Ehrenamt noch weitere Leidenschaften mit.

„Jeder hat hier seine Talente“, sagt Heinz Schnelte. Der Holzexperte hat zahlreiche Tischlerprojekte umgesetzt. Der große Tisch, an dem wir gemeinsam sitzen, stammt ebenso aus seiner Werkstatt wie der passende hölzerne Schriftzug „Kruutluker“. Mindestens 16 Personen finden hier bequem Platz.

Ein fester Bestandteil des Arbeitseinsatzes ist das gemeinsame Frühstück. Nachdem sich alle bis halb neun eingefunden haben, die Aufgaben verteilt wurden, wird um 10 Uhr gemeinsam gefrühstückt. Schnell wird deutlich: Dieses Ritual ist weit mehr als eine Pause. Es wird erzählt, geplant, gelacht – und möglichst auf Platt gesprochen. „Äin bittken prooten“ gehört einfach dazu.

Die Pflasterung des Eingangsbereichs war eines der ersten gemeinsamen Projekte. Inzwischen prägen zahlreiche weitere Arbeiten das Gelände. Besonders ins Auge fällt die kleine Skulpturenallee zwischen Heimathaus und Kunst-Remise. Verantwortlich dafür ist Wilhelm Berkenheger. Seine Werke, darunter die eindrucksvollen Moorsoldaten aus bizarr gewachsenen Birken sowie der farbenfrohe „Freuden-Tanz“, setzen ebenso regionale wie künstlerische Akzente. Erst kürzlich wurde die Allee mit einer Beleuchtung ausgestattet. Am Ende des historischen Weges steht die aufwendig restaurierte Mühle.

Aktuell arbeitet Berkenheger an alten Mühlenflügeln. Daraus soll das nächste Kunstobjekt entstehen. Kreativität spielt auf dem Gelände ohnehin eine große Rolle. Bei den beliebten Ferienpassaktionen „Vom Korn zum Brot“ erleben Kinder Mühlenhandwerk und Bastelaktionen. Und Schüler der Naturpark-Schulen haben beim Anlegen der Benjeshecken mitgeholfen.

Unter einer mächtigen Eiche entdecke ich einen liebevoll gestalteten Spielplatz. Er entstand während einer 72-Stunden-Aktion der Pfadfinder und liegt idyllisch neben der Remise. Mit Blumenampeln geschmückt fällt kaum auf, dass die Remise zugleich als Lager für die vielen Tische und Stühle der zahlreichen Veranstaltungen dient.

Das nächste große Ereignis steht bereits bevor: Vom 7. bis 9. August 2026 lädt der Heimatverein zum Winzerfest mit Live-Musik, Weinparty und einem bunten Programm am Sonntag ein. Besonders originell ist die Verlosung am Freitagabend: Für jede gekaufte Weinflasche gibt es ein Los. Der Hauptgewinn wird mit Wein aufgewogen. Das dafür vorbereitete Gerüst fällt sofort ins Auge und sorgt bereits jetzt für schmunzelnde Gesichter.

Doch nicht nur das Winzerfest lockt Besucher auf das Gelände. Das Veranstaltungsprogramm reicht vom traditionellen Neujahrskonzert über die Mühlentage zu Pfingsten bis hin zu Raku-Kursen, Wanderungen und Fahrradtouren. Selbst Rock- und Metalfans kommen auf ihre Kosten: Veranstaltungen wie der „Metal Blast Vol. V“ oder „Dirty Deeds“ haben sich längst etabliert und zeigen, wie vielseitig das Mühlengelände genutzt wird. Für große Veranstaltungen stehen übrigens nicht nur die Kruutluker bereit. Bis zu 100 weitere Ehrenamtliche unterstützen den Heimatverein je nach Anlass und Aufwand beim Auf- und Abbau oder bei der Organisation.

Auch das Heimathaus lohnt einen Besuch. Eine liebevoll eingerichtete gute Stube, historische Exponate und Ölgemälde mit regionalen Motiven des Harener Künstlers Jansen vermitteln einen Eindruck von landschaftlich reizvollen Orten rund um Haren. In diesem Umfeld wird das Angebot, sich hier trauen zu lassen, gerne angenommen. Im Obergeschoss werden Mühlenmodelle, die übrigens von einem ehemaligen, leider verstorbenen Vorstandsmitglied in seiner Freizeit liebevoll gebaut wurden, in einem frisch renovierten Dachstuhl präsentiert. Dass die Renovierung in Eigenleistung durch die Kruutluker erfolgte, erfahre ich erst auf Nachfrage – typisch für die Bescheidenheit der Ehrenamtlichen.

Neben den Kruutlukern engagieren sich weitere Arbeitskreise im Heimatverein. Die Gruppe „Mühle“ oder der Arbeitskreis „Tradition, Mundart und Brauchtum“, der unter anderem plattdeutsche Nachmittage organisiert. Auch die Landfrauen tragen ihren Teil zum gepflegten Erscheinungsbild bei und haben den Eingangsbereich mit Blumen bepflanzt.

Am Ende meines Besuches bleibt vor allem ein Eindruck: Die Kruutluker pflegen nicht nur Kräuter und Gärten. Sie bewahren Geschichte, gestalten Kultur, schaffen Begegnungen und halten mit großem ehrenamtlichem Einsatz einen Ort lebendig, an dem Gemeinschaft jeden zweiten Mittwoch aufs Neue wächst.

Moor & mehr – Geschichten aus den Naturparken


Naturparke in der Ferienregion feiern Jubiläum 

In Kooperation mit dem Emsland-Kurier feiern wir in diesem Jahr die Jubiläen “20 Jahre Naturpark Bourtanger Moor” und “10 Jahre Naturpark Hümmling” mit Geschichten über die eindrucksvolle Kulturlandschaft, prägnante und ungewöhnliche Sehenswürdigkeiten und ehrenamtliches Engagement mit viel Heimatgefühl.
 
Die Beiträge werden im Emsland-Kurier veröffentlicht und sind im Emsland-Blog "Moor & mehr“ auf unserer "Geburtstagsseite"zum Themenjahr nachzulesen.