Ohne Moos nix los
Kleine Pflanze mit großer Wirkung - Warum das Torfmoos für das Hochmoor überlebenswichtig ist
Kleine Pflanze mit großer Wirkung - Warum das Torfmoos für das Hochmoor überlebenswichtig ist
Es ist Mittwochabend gegen 18 Uhr. Im Museumscafé begrüßen Dr. Tanja Hasselberg, Leiterin des Emsland Moormuseums in Groß Hesepe, und Ben Flint, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Ökologischen Station Grafschaft Bentheim - Emsland Süd (ÖGE), eine naturbegeisterte Gästeschar zum Auftakt der Arbeitsgruppe Torfmoos.
In erster Linie geht es um den Wissensaustausch zwischen Laien und Profis, die in ihrem beruflichen Alltag zwar mit Torfmoosen zu tun haben, jedoch nicht über ausreichend Erfahrungen verfügen, um die Bestimmung der Arten der oft seltenen, unbekannten Torfmoose vorzunehmen.
In seiner kurzen Einführung verweist Ben Flint zudem darauf, dass durch die Arbeitsgruppe der Blick auf die Natur geschärft und dementsprechend die Ökologie der Torfmoose, zu deren Lebensräumen Moorwälder, Nieder- und Übergangsmoore, Moorheiden und Hochmoore zählen, besser verstanden wird.
Die Antwort auf die Frage „Warum beschäftigen wir uns mit Torfmoosen?“ der lokalen Akteurinnen und Akteure aus Naturschutz, Landwirtschaft, Jagd und Fischerei im Emsland und der Grafschaft Bentheim begründet sich wie folgt:
Der Bauplan der Torfmoose erlaubt es ihnen, mehr als das Zwanzigfache ihrer Trockenmasse an Wasser zu speichern und so den Wasserhaushalt im Moor auch in trockenen Zeiten zu regulieren. Dies ist die beste Anpassung an die unwirtlichen Bedingungen des Lebensraumes Moor.
Die Gattung „Sphagnum“ ist nach Anhang V der FFH-Richtlinie geschützt und der Rote-Liste-Status der etwa 35 in Niedersachsen vorkommenden Arten ist überwiegend kritisch.
Torfmoose können selbst in geringsten Konzentrationen vorkommende Nährstoffe aufnehmen. Im Gegenzug geben sie Wasserstoffionen an die Umgebung ab, wodurch der pH-Wert der Umgebung abgesenkt wird.
Die kleine Pflanze kann praktisch unbegrenzt wachsen. Während sie sich nach oben hin entwickelt, stirbt die Basis wegen Luftabschluss ab. So entsteht Torf als Kohlenstoffspeicher.
Den Gästen wird von Ben Flint die Morphologie der Torfmoose vorgestellt, bevor die Arbeitsgruppe von Tanja Hasselberg zum „Forscherbauwagen für Moorentdeckende“ geführt wird.
Der 8,60 Meter lange Bauwagen bietet seit der Anschaffung im Jahr 2022 für Schulklassen, Hochschulgruppen und Wissenschaftler einen mobilen Erfahrungs-, Forschungs- und Schulungsort.
Mit Solarmodulen, Batterien, Mikroskopen und weiteren Utensilien ausgestattet, steht der Wagen zukünftig auch für die Treffen der Arbeitsgruppe zur Verfügung.
Nach der Theorie heißt es „Ran an die Moose!“. Die Moor-Fans nehmen sich aus den bereitstehenden Gläsern ein Torfmoos ihrer Wahl und nehmen Platz vor dem Mikroskop, um mit der Bestimmung zu starten.
Das Zellgewebe des Torfmooses weist netzartig gespannte, durch Chlorophyll grün erscheinende lebende Zellen auf. Sie heißen Assimilationszellen, das heißt: In ihnen findet der Stoffwechsel - die Photosynthese - statt. Daneben gibt es vollkommen leere Zellhüllen, die durch spangenartige Wandversteifungen stabilisiert werden und eine runde Öffnung aufweisen. Sie werden Hyalinzellen genannt und sind die Wasserspeicher des Mooses.
Aus den beiden Zelltypen wird ein Netz aus kleinen, grünen, lebendigen Zellen neben großen, toten Zellen aufgebaut. Es erinnert beim Blick durch das Mikroskop an Luftpolsterfolie. Ein genialer Bauplan, der es den Torfmoosen ermöglicht, wie ein Schwamm viel Wasser zu speichern.
Es ist Mittwochabend gegen 20 Uhr. Mit ersten Erfolgserlebnissen der Moorentdecker, die ihr Torfmoos bis zur Art bestimmen konnten, endet die Auftaktveranstaltung der Arbeitsgruppe Torfmoos.
Moor & mehr – Geschichten aus den Naturparken
Naturparke in der Ferienregion feiern Jubiläum
In Kooperation mit dem Emsland-Kurier feiern wir in diesem Jahr die Jubiläen “20 Jahre Naturpark Bourtanger Moor” und “10 Jahre Naturpark Hümmling” mit Geschichten über die eindrucksvolle Kulturlandschaft, prägnante und ungewöhnliche Sehenswürdigkeiten und ehrenamtliches Engagement mit viel Heimatgefühl.
Die Beiträge werden im Emsland-Kurier veröffentlicht und sind im Emsland-Blog "Moor & mehr“ auf unserer "Geburtstagsseite"zum Themenjahr nachzulesen.
Ran an die Moose!
Die Arbeitsgruppe Torfmoos trifft sich an jedem 2. Mittwoch des Monats ab 18 Uhr beim Forscherwagen am Emsland Moormuseum (Geestmoor 6, 49744 Geeste - Gr. Hesepe).
Interessierte können gerne vorbeikommen, um der Natur auf die Spur zu kommen. Dazu ist lediglich vorab eine E-Mail an Ben Flint von der Ökologische Station Grafschaft Bentheim - Emsland Süd (ben.flint@oege.info) nötig.
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