365 Tage im Emsland Moormuseum und ganz viele Eindrücke
Leiterin Dr. Tanja Hasselberg über die Zukunft des Museums
Leiterin Dr. Tanja Hasselberg über die Zukunft des Museums
Im Interview möchten wir 365 Tage später erfahren, welche Erfahrungen an der Spitze des Emslandmuseums gesammelt wurden und wie es gelingt, alte Traditionen mit neuen Ideen zu verbinden.
Was hat Sie persönlich an der Aufgabe gereizt, das Emsland Moormuseum zu leiten, und sind Sie inzwischen im Emsland angekommen?
Mein Professor hat immer gesagt, der kürzeste Weg sei der Umweg, und er hatte recht. Es hat lange gedauert, diesen Ort zu finden, aber es hat sich gelohnt und ich fühle mich sehr wohl.
Das Emsland Moormuseum ist ein vielseitiger Ort, an dem historische, ökologische und kulturelle Faktoren zusammenkommen und verschiedene Geschichten erzählen. Diese wollen wir zeitgemäß sichtbar machen, also von Siedlungsgeschichte über Landwirtschaft, Industrialisierung, Emslandplan, Moor als Klima-, Arten- und Lebensraumschutz, Industriekultur als wichtiger Bestandteil unserer Identität, aber auch als Imagefaktor der Region, als Teil des regionalen Industrietourismus‘ und natürlich alle Themen der Umwelt- und Naturbildung. Das sind Themen, die mich seit Jahrzehnten beschäftigen und prägen, und die hier an diesem Ort erfahrbar sind.
Zudem gibt es ein unglaublich tolles Team mit vielen Ideen wie auch einen sehr an Kultur interessierten Träger und dadurch gibt es wiederum viele Möglichkeiten der Gestaltung. „Gibt’s nicht.“ hab ich bisher nicht einmal gehört – das ist sehr beeindruckend, erfrischend und ermutigend!
Der öffentliche Auftrag des Emsland Moormuseums ist das Sammeln, Bewahren, Erforschen und Vermitteln von Sachkultur zu den Themen Moor und Torf des nordwestdeutschen Raumes. Wie gehen Sie mit der Balance zwischen wissenschaftlicher Präzision und allgemeinverständlicher Vermittlung um?
Wissenschaft und Bildung sind die beiden Säulen, die jedes Museum tragen. Ohne Wissen kann man nichts weitergeben, ohne Weitergabe nützt jedes Wissen nichts. Es ist zu jeder Zeit eine Herausforderung, die richtige Balance zu finden wie auch die richtige Art der Vermittlung.
Horaz hat es schon in der Antike angesprochen und wir kennen es nochmal verstärkt aus dem 18. Jahrhundert: Prodesse et delectare, also nützen und erfreuen als Anspruch bei der Weitergabe von Wissen.
Heutzutage spricht man von Edutainment und Infotainment, Gamification, immersive Erlebnisse (oft ohne Original) etc. und die Museen arbeiten an einer zeitgemäßen Art der Vermittlung. Das ist sehr spannend und es gibt auch die ersten Retro-Trends, da manche Dinge besser real, authentisch und analog erfahren werden als digital.
Aber genau da befinden wir uns im Emsland Moormuseum auch und wir denken an dieser Stelle nochmal neu, aktualisieren Formate, bauen andere Programme aus, gehen Kooperationen ein und testen gemeinsam mit unseren Partnern Methoden, um den Besucher*innen ein möglichst passendes und attraktives Angebot zu bieten.
Aktuell haben wir mit den Miniwelten Lathen 80 x 80 cm Playmobilstationen bei uns aufgebaut, die unsere Ausstellung ergänzen. Kommen Sie einfach mal vorbei und schauen Sie sich das an!
Welche Rolle spielt die Regionalgeschichte dabei, Moore als Lebensräume und technische Landschaften der Vergangenheit zu erzählen? Und wie gelingt es darüber hinaus, die ökologischen Fragen von morgen, bspw. die Rolle des Moores als CO2-Speicher, im Rahmen der Ausstellung zu behandeln?
Die Landschaft im Emsland ist wie ein begehbarer Zeitstrahl. Gestern, Heute, Morgen – wir können alles gleichzeitig erfahren. Im Emsland gab es, wie bspw. auch an anderen Industriestandorten, eine historische und naturräumliche Veränderung durch die Industrie, die wiederum zu einer gesamtgesellschaftlichen Veränderung führte. Heimat und Identität waren und sind vom Moor und der Industrie geprägt und man kann weder die Gegenwart verstehen noch die Zukunft denken, wenn man nicht weiß, wo man herkommt. Deshalb ist es wichtig, alle Aspekte zu sehen.
Und das Emsland Moormuseum hat die Chance, diese Aspekte, diese Veränderungen sichtbar zu machen, in Kontexte zu stellen. Aktualität ist wichtig und gleichzeitig verändert sich unsere Welt sehr schnell.
In 2025 haben wir das Jubiläumsjahr zum Emslandplan begleitet und gleichzeitig die Dauerausstellung komplettiert. Das war gut, aber jetzt müssen wir noch stärker die aktuellen Themen in den Blick nehmen und haben hierzu auch mehrere Förderprojekte eingereicht, um das umzusetzen.
Unsere Kooperationsprojekte wie die AG Torfmoos mit der Ökologischen Station, Mission Moor als Rätsel-App auf der Fläche, die Moorerlebnislandschaft mit Blick auf Klima und Artenschutz etc. gehen auch in diese Richtung und Ende des Jahres begehen wir den Auftakt zum „Hochmoor als Boden des Jahres 2027“ im Berliner Ministerium mit einem Vortrag zur industriekulturellen Veränderung im Emsland.
Mit welchen Aktionen und Veranstaltungen locken Sie Einheimische und Gäste – insbesondere Kinder, Jugendliche und Familien – in diesem Jahr ins Moormuseum, das im Jahr 1976 gegründet wurde?
Dieses Jahr wird sehr spannend – für die Besucher*innen und für uns, weil wir viele neue Dinge ausprobieren.
Am Anfang der Saison haben wir zum Beispiel einen Käfermeiler gebaut und den Tag des Buches gefeiert, es gibt noch den Schoolmesterdag op platt und jetzt im Sommer starten die Großveranstaltungen.
Ganz neu das MoorAbenteuer der Gemeinde Geeste bei uns im Juni, wo Zaubern und Spaß haben im Mittelpunkt stehen und Kinder mit ihren Eltern sogar Zauberstäbe schnitzen können.
Dann gibt es natürlich das traditionelle Buchweizenblütenfest des Heimatvereins im Juli und im September nach Langem wieder den Markt der Genießer, wo man viele leckere Dinge aus der Region probieren kann.
Dann haben wir viele neue Partner gewonnen, mit denen wir gemeinsam Angebote machen wie mit dem NABU zu unseren Obstbäumen, mit dem BUND zum Tag des Nachtfalters, mit der VHS ein Schnuppernachmittag zu Gesundheit, Sport und Kreatives und mit dem Schmalspurbahn Museum in Erica gibt es statt einer Veranstaltung ein Kombiticket mit ermäßigtem Preis.
Am besten einfach mal im Programm nachschauen, was es Neues gibt. Einige Veranstaltungen sind auch kostenfrei, wie am Internationalen Museumstag (1.5.), in der Langen Nacht der Museen (29.8.), beim MoorAbenteuer (21.6.) und beim Weltkindertag (20.9.).
Wir sind gespannt, welche Veranstaltungen den Besucher*innen gefallen und versuchen, jedes Jahr was Passendes zu finden. Zudem haben wir als Museum auch noch viele Angebote im Bereich Umweltbildung und es gibt jährlich zwei Sonderausstellungen, so dass für Jeden etwas dabei sein sollte.
Gehen Gäste vom Museumscafé zur Ausstellungshalle I, fallen ihnen direkt die vielen Plaketten neben der Eingangstür auf. Welche Auszeichnungen sind Ihnen und dem Team besonders wichtig und warum?
Das Team und ich sind auf alle Auszeichnungen gleich stolz, weil sie ein Spiegel unsere Arbeit sind.
Für den Bereich Museumspädagogik gibt es gleich mehrere Auszeichnungen, die unsere Arbeit von fachlicher Stelle anerkennen: Das Haus ist zum Beispiel vom niedersächsischen Kultusministerium anerkannter außerschulischer Lernort im Bereich „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ und hat seit 2015 die Auszeichnung „kinderfreundliches Museum“ vom Kinderferienland Niedersachsen.
Die hohe Qualität und überregionale Bedeutung des Museums wurden auch mehrfach ausgezeichnet. So erhielt das Haus konstant seit 2007 bis jetzt das Museumsgütesiegel des Museumsverbandes Niedersachsen-Bremen. 2011 wurde dem Museum der Niedersächsische Museumspreis verliehen, unter anderem für seine fachübergreifende Ausrichtung, die hohe Qualität der Wissensvermittlung und das außergewöhnliche Engagement seiner Mitarbeitenden.
Und das Museum ist seit 2020 ERIH Ankerpunkt, d.h. Teil der europäischen Route der Industriekultur. Diese Auszeichnung betont das Besondere an diesem Ort in einem internationalen Kontext der gesamtgesellschaftlichen Veränderungen durch die Industrialisierung.
Das Museum ist ein besonderer Ort, da man hier die Komplexität der Welt unmittelbar erfahren kann durch das breite Themenspektrum und die vielen verschiedene Angebote. Und all diese Auszeichnungen bestätigen dies, worüber wir uns sehr freuen.
Moor & mehr – Geschichten aus den Naturparken
Naturparke in der Ferienregion feiern Jubiläum
In Kooperation mit dem Emsland-Kurier feiern wir in diesem Jahr die Jubiläen “20 Jahre Naturpark Bourtanger Moor” und “10 Jahre Naturpark Hümmling” mit Geschichten über die eindrucksvolle Kulturlandschaft, prägnante und ungewöhnliche Sehenswürdigkeiten und ehrenamtliches Engagement mit viel Heimatgefühl.
Die Beiträge werden im Emsland-Kurier veröffentlicht und sind im Emsland-Blog "Moor & mehr“ auf unserer "Geburtstagsseite"zum Themenjahr nachzulesen.
Informationen rund um Ihren Museumsbesuch
Emsland Moormuseum e.V.
Geestmoor 6, 49744 Geeste / Groß Hesepe
Tel. 05937 709990
www.moormuseum.de
Öffnungszeiten:
Dienstag - Sonntag: 10 - 18 Uhr
Eintrittspreise:
Erwachsene: 8 €, Schüler/Studenten: 4 €, Familien: 16 €
Termine 2026:
21.06. – MoorAbenteuer (Familienaktion)
26.07. – Buchweizenblütenfest
13.09. – Markt für Genießer - Herbst am Siedlerhof
20.09. – Weltkindertag
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